Planung

Planungshinweise

Die Erfahrungen der letzten Jahre bei der Beratung von Holzheizungsinteressenten haben deutlich gezeigt, dass es notwendig ist, vor der Entscheidung zum Kauf einer scheitholzbetriebenen Heizung das eigene Wohnumfeld einer kritischen bzw. selbstkritischen Prüfung zu unterziehen. Dabei sind u. a. folgende Fragen zu beantworten:

 

1. Wie hoch ist der Wärmeenergiebedarf des Hauses bei definierten Außentemperaturen? (Heizung, Lüftung, Warmwasser)

2. Kennt der Hausbesitzer die Verteilung und die Schwerpunkte des Wärmeenergieverbrauches in seinem Haus?

Hat der Hausbesitzer die relativ hohen Anteile des Wärmeenergieverbrauchs durch Lüftung und Warmwasser bei einem Neubau gegenüber der reinen Wohnraumheizung erkannt?
Baut der Hausherr etwa ein Niedrigenergiehaus?

3. Kennt der Hausherr den ungefähren Holzverbrauch/ Jahr, falls er seine Heizung komplett (oder weitgehend) auf diesen nachwachsenden Energieträger umstellen würde? Es ist beachtlich, wie groß das Kostengefälle zwischen dem Kauf von Heizöl, ofenfertigem Scheitholz frei Haus und der Selbstwerbung von Brennholz im Wald ist.
Hier hat der Holzheizungsinteressent viele Möglichkeiten, sich den größten Teil der jährlichen Brennstoffkosten durch eigener Hände Arbeit selbst zu verdienen (eigene Aufarbeitung im Wald mit Motorsäge und Axt, Heimtransport, Sägen auf Ofen-länge, Spalten, Aufsetzen zum Trocknen).
Es wird deshalb empfohlen, bereits vor dem Kauf einer Holzheizung bezüglich der Brennholzbevorratung Kontakt mit dem örtlich zuständigen Revierförster und/oder geeigneten Waldbesitzern der Region aufzunehmen.
Bei dem geringen Holzbedarf in neugebauten Häusern mit guter Wärmedämmung hat das Heizen mit Scheitholz durchaus eine Chance, sich in breiten Bevölkerungskreisen zum Hobby zu entwickeln (und nicht in Arbeit „auszuarten“).

 

 


4. Ist für den Wohnbereich ein energieeffizientes Flächenheizsystem mit niedrigen Vorlauftemperaturen geplant? (Fußboden- oder Wandheizung) Hinweis: Je größer die Heizflächen im Wohnbereich sind, desto geringer kann die Vorlauftemperatur des Heizsystems eingestellt werden. Je geringer die Vorlauftemperaturen der Heizung
sind, desto geringer sind die Wärmeverluste und desto einfacher lassen sich zukünftig Umweltwärme (Wärmepumpe), Solarenergie (Sonnenkollektoren)
oder gespeicherte Holzenergie (Pufferspeicher) im System nutzen.
Oder noch einfacher gesagt:
Eine Pufferspeichertemperatur von 40 °C ist für die Beheizung eines Wohnzimmers mittels Heizkörper weitgehend nutzlos, für eine moderne Fußbodenheizung jedoch noch ausreichend (max. Vorlauftemperatur für eine Fußbodenheizung von 45 °C beachten).

5. Wie soll warmes Brauchwasser im Haus bereitgestellt werden?
a) Durch einen großen Brauchwasserspeicher (Boiler) bzw. Kombispeicher (Boiler im Pufferspeicher) oder
b) im Durchlaufverfahren unter Einbindung geeigneter Wärmetauscher innerhalb oder außerhalb eines großen Pufferspeichers? (legionellenfreie Brauchwasserbereitstellung)

 

 


6. Möchte der Hausherr eine automatische Holzheizung installieren (i. d. R. Pellets, die analog zu Heizöl und Gas zu 100 % zugekauft werden müssen!) oder tendiert er zu einer Scheitholzheizung, mit der er durch eigenes Zutun seine Heizkosten aktiv senken kann?

7. Kann günstig Scheitholz beschafft und auf dem eigenen Grundstück gelagert werden? (Trocknungszeit von 1,5 bis 2,5 Jahren beachten!)
Ist der Holzheizungsinteressent gar Waldbesitzer mit praktischen Kenntnissen bei der Scheitholzaufbereitung (Motorsäge, Axt)?
Oder muss Scheitholz in aufbereiteter Form, getrocknet und in kleinen Mengen zugekauft werden, weil die Platzverhältnisse, die eigene körperliche
Konstitution oder der persönliche Zeitfonds nichts anderes zulassen?

8. Wird die Entscheidung zum Heizen mit Scheitholz von allen Familienmitgliedern mitgetragen?
(Scheitholz = körperliche Arbeit während der Freizeit!)

9. Soll die Scheitholzheizung das ganze Haus zentral versorgen (über Heizwasserkreise) oder nur einzelneRäume bzw. Wohnbereiche (über Warmluft
und/ oder Strahlungswärme)?

-> Ofenbaumeisterbetrieb .Soll die Scheitholzheizung im Wohnbereich positioniert werden mit allen damit verbundenen Konsequenzen (Schmutzeintrag/evtl. Rauchbelästigung/ separate Verbrennungsluftzuführung, um die Luftqualität im Zimmer nicht negativ zu beeinflussen/aber auch Feuererlebnis im Wohnbereich
durch Sichtscheibe/Romantikeffekt/Strahlungswärme etc.) ->Ofenbaumeisterbetrieb
oder steht dafür ein Keller- bzw. Heizungsraum zur Verfügung?

-> Installateur.

10. Soll Scheitholz genutzt werden als
a) alleiniger Energieträger im Haus,
b) zur Absicherung einer Heizungsgrundlast oder
c) zum Gelegenheitsheizen im Wohnbereich?

bzw. anders ausgedrückt, soll Scheitholz die Energiekosten dauerhaft und spürbar senken oder nur die Wohnqualität zu besonderen Anlässen verbessern?
(Wochenende, bei Besuch etc.)

 

11. Ist eine Kopplung der Scheitholzheizung mit einem automatisch arbeitenden Heizungssystem vorgesehen oder zukünftig als Erweiterungsoption geplant?
(Pellets, Heizöl, Gas, Wärmepumpen etc.) Diese Entscheidung hat direkten Einfluss auf die Wahl des Puffer- bzw. Kombispeichers.

12. Soll eine heizungstechnische Anlagenkombination für die Erweiterung des Systems geplant werden?
(Einbeziehung verschiedener Energie bzw. Wärmequellen)
- Scheitholz/Heizöl bzw. Gas
- Scheitholz/Pellets
- Wärmepumpe/Boiler
- Pufferspeicher/Boiler (Kombispeicher)
- Kombispeicher/Solaranlage
- Pufferspeicher/Pelletbrenner/
Warmwasser-Durchlauferhitzer etc.
Hier sind die Folgekosten zu beachten!! (Heizöl bzw.Pellettanks, Solarkollektoren, teurere Regelungskomponenten
etc.)

13. Ist in der Nähe einer geplanten Scheitholz-Zentralheizung ausreichend Platz für einen (oder zwei) Pufferspeicher vorhanden?
Ist das Kippmaß des geplanten Pufferspeichers geringer als die Deckenhöhe am Aufstellort bzw. passt der Speicher ohne Isolierung durch die Kellertür?

14. Soll die Scheitholzheizung unabhängig vom Stromnetz arbeiten bzw. bei Bedarf arbeiten können?
(Naturzugkessel, Kaminöfen etc.)

 

Heizungsmodernisierung bzw. -nachrüstung

15. Existiert im Haus bereits eine automatische Zentralheizung? (Heizöl, Gas, Strom etc.)

16. Existiert im Haus ein zweiter Schornsteinzug für den zukünftigen Betrieb einer Holzheizung?
Oder muss eine zweite Abgasanlage errichtet werden?

17. Soll die Scheitholzheizung die vorhandene Öl bzw. Gasheizung von der Heizleistung her vollständig ersetzen, um eine spürbare Senkung der Betriebskosten zu erreichen? (Öl- und Gasheizung nur noch als Havariereserve!)

Oder soll die Scheitholzheizung nur ca. bis ¾ der Nennleistung des Öl- bzw. Gaskessels erreichen?
(Grundlast) Damit könnte ein wesentlich preiswerterer Scheitholzkessel mit kleinerem Pufferspeicher beschafft werden, der mit seiner Leistung
für 90 bis 95 % der Heizperiode ausreichende Wärmeenergie bereitstellen kann. Der vorhandene Öl- bzw. Gaskessel würde dann nur noch als Spitzenlastkessel bei starkem Frost bzw. zur Warmwasserbereitung im Hochsommer benötigt.

 

Hinweis: Die heizungs- und regelungstechnische Einbindung von 2 Heizkesseln (Öl/Gas bzw. Scheitholz) an getrennten Schornsteinzügen hat so zu erfolgen, dass im Bedarfsfall beide Wärmeerzeuger parallel und unabhängig voneinander arbeiten können. Damit addieren sich ihre Heizleistungen im System!!

Steht nur ein Schornsteinzug zur Verfügung und ist der Bau einer 2. Abgasanlage ausgeschlossen, müssen beide Heizkessel am vorhandenen Schornstein
angeschlossen werden. Die Entscheidung, ob dies auf Grund der verschiedenen Abgasmassenströme bei der Verbrennung von Öl/Gas bzw. Holz überhaupt ohne Komplikationen möglich ist, bestätigt der örtlich zuständige Schornsteinfeger! Im Bedarfsfall kann hier nur ein Kessel arbeiten.
Die maximale Leistung des Scheitholzvergaserkessels wird dabei vom vorhandenen Schornstein begrenzt.
Soll der für den Scheitholzvergaserkessel notwendige Pufferspeicher nur für den Holzheizungsbetrieb
beschafft werden oder besitzt der Bauherr Ambitionen zur späteren Installation einer Solarkollektor- oder Wärmepumpenanlage bzw. eines
Systems für die Brauchwasserversorgung im Durchflussverfahren? Ist schon ein Boiler vorhanden?

18. Ist im Heizungsraum neben dem vorhandenen Öl/ Gaskessel ausreichend Platz für das neue System (Scheitholzvergaserkessel, Pufferspeicher, Installations- und Wartungswege) oder muss ein anderer Aufstell- und Anschlussort gefunden werden?

19.Gibt es erfahrene Installationsbetriebe in der Region, die nicht nur den gewünschten Scheitholzvergaserkessel
incl. Nebenanlagen korrekt einbauen können, sondern auch die vom Kunden gewünschte anlagentechnische Schaltung beherrschen?
(Holzvergaserkessel – Kombipufferspeicher – solarthermische Anlage; Holzvergaserkessel – Kombipufferspeicher – Heizkaminsystem mit Zentralheizungseinbindung; etc.)

20. Liegen bei diesen Betrieben ausreichende Erfahrungen/ Kenntnisse für die Wartung/ Instandhaltung der Anlage vor? Oder ist der Auftraggeber der Erstkunde ... !! In diesem Fall sollte auf Vorzugskonditionen beim Wartungsvertrag geachtetwerden.

Das mit der Beantwortung der genannten Fragen verfolgte Ziel ist ein zufriedener Kunde.
Jeder Holzheizungsinteressent soll mit ihrer Hilfe das für seine persönliche Situation mögliche Optimum an verfüg-barer Anlagentechnik finden.
Dabei spielen nicht nur objektive Gründe eine Rolle, sondern in hohem Maße auch subjektive Erwägungen.
Aus diesem Grund ist es geboten, vor einem endgültigen Kauf unbedingt die gesamte Familie in den Abwägungs- und Entscheidungsprozess einzubeziehen.

- Wer hilft bei der Scheitholzaufbereitung?
- Kann Scheitholz ohne Komplikationen auf dem Grundstück gelagert werden?
- Wer macht Feuer im Kessel/Ofen, wenn der Hausherr nicht da ist?
- Scheitholzheizung im Wohnbereich: Akzeptiert die Familie den täglichen Scheitholztransport im Wohnbereich und das regelmäßige Entaschen?
- Akzeptiert die Familie den täglichen „Heizzwang“ oder möchte man ab und zu die Wohnung auch ohne Aufwand warm haben? (Kombikessel Scheitholz/ Pellets bzw. automatisches Zweitheizungssystem

 


Texte mit freundlicher Genehmigung von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) Die FNR im Internet: www.fnr.de

 

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